jeudi 5 mars 2015

Biografien zu Ursula von der Leyen: Hauptsache, ihr habt mich gern


Berlin - Ursula von der Leyen ist eine faszinierende Figur, keine Frage. Die Frau mit den sieben Kindern hat eine steile, politische Karriere hinter sich: Stadtrat im Städtchen Sehnde, Landesministerin in Niedersachsen, Bundesministerin, erst für Familie, dann für Arbeit und Soziales, seit einem Jahr nun führt sie das Verteidigungsministerium, als erste Frau überhaupt. Das soll noch nicht die Endstation sein, so wird es von der Leyen immer nachgesagt. Sie soll ein Auge aufs Kanzleramt haben und Angela Merkel beerben wollen.


Wer ist diese Frau, die selbst so eifrig an dieser nicht enden wollenden Aufsteiger-Story strickt? Gleich zwei Biografien, die jetzt erscheinen, suchen darauf eine Antwort. Und weil von der Leyens Fixierung darauf, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, legendär ist, kreisen auch die beiden Bücher vor allem um die Frage wo bei der CDU-Politikerin die glitzernde Verpackung aufhört und die politische Gestalterin aus Überzeugung anfängt.

Die beiden "Zeit"-Journalisten Elisabeth Niejahr und Peter Dausend finden in "Operation Röschen - Das System von der Leyen" (Campus-Verlag) keine abschließende Antwort. Dabei versucht das Reporter-Duo in fast schon detektivischer Arbeit an die Wahrheit, an die politische Seele der Verteidigungsministerin, heranzukommen. Entsprechend unterhaltsam liest sich ihrer Leyen-Biografie, die sie im politischen Berlin der vergangenen Monate ansiedeln - und die auch ihr Umfeld grell ausleuchtet.


Die Reportage in Buchformat beginnt an einem Samstag im August 2014. In der Wohnküche der Ministerin lümmeln sich ihre Kinder auf Ikea-Sofas. Mutti telefoniert derweil stundenlang wegen der Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga.


Sie endet Anfang des Jahres in Leyens Büro im Berliner Bendlerblock. Ihr Einsatz hier: die Bundeswehr sanieren und zukunftsfähig machen. Eine beängstigende Aufgabe, daran lassen die Autoren keinen Zweifel. Das Verteidigungsministerium mit seinem "Mix aus beflissener Unterwürfigkeit und bräsiger Starre", in dem das "Prinzip der organisierten Verantwortungslosigkeit" gelebt werde, halten sie für nahezu unregierbar.


Eine Grundsympathie für die CDU-Politikerin blitzt bei Niejahr und Dausend öfter mal auf. Auch wenn sie einen hochrangigen SPD-Politiker zitieren, der eingestehen muss, dass es eine so "starke" Frau wie von der Leyen in der eigenen Partei nicht gebe.


In anderen Passagen wird deutlich, wie sehr die CDU-Politikerin die politische Streitkultur - das Spiel mit der Macht - beherrscht. Insgesamt kommt die Protagonistin aber gut weg. Die "Zeit"-Autoren halten sie für eine Modernisiererin mit Mut. Sie habe längst die CDU-Parteimitglieder - mit ihrem Durchschnittsalter von 59 Jahren - in der Denkweise abgehängt. Darin sehen die Autoren ihren Trumpf, egal ob sie in den eigenen Reihen aneckt.



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Gut für Überraschungen Deutlich eindimensionaler wirkt von der Leyen in der zweiten Biografie - "Kanzlerin der Reserve - Der Aufstieg der Ursula von der Leyen" (Berlin Verlag), verfasst von den beiden "Focus"-Redakteuren Ulrike Demmer und Daniel Goffart. Sie nennen die CDU-Frau eine "Populistin", gierig nach Schlagzeichen. Nur um später einzulenken: "Dinge, an die sie nicht glaubt, kommen ihr nicht über die Lippen".

Demmer und Goffart kratzen am Lack, mit Vergnügen. Nein, Leyen war kein akademischer Superstar, sondern eine "Langzeitstudentin". Die junge Frau leistete es sich sogar, zwei Studiengänge (Archäologie und VWL) abzubrechen. Erst nach 20 Semestern machte sie ihr Staatsexamen in Medizin. Das erste Kind kommt etwa zeitgleich.


In der Wertung liegen beide Biografien aber letztlich nah beieinander: Wer wie Ursula von der Leyen Widerstände aushält, eigene Themen setzt und gern mal Regeln bricht, ist führungsstark. Auch in Zukunft bleibe diese Frau daher sicher gut für Überraschungen.



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