Der Traum von Max Schmit ist schwarz, viereinhalb Meter lang und hat acht Zylinder: Es ist ein Daimler 250, ein 47 Jahre altes Luxusauto aus England. «Den fand ich immer toll», sagt der 26-Jährige aus Steinsel. Das seltene Auto kennt Schmit seit seiner Kindheit. Es gehörte ursprünglich einem Bekannten seiner Eltern – einem Oldtimerfan mit einer Sammlung mit 15 Autos. «Er sagte mir: Wenn er den Daimler jemals verkaufen wolle – dann an mich», erzählt Schmit. Im März des vergangenen Jahres war es soweit: Für 12.000 Euro wechselte die dunkle Schönheit den Besitzer. Doch Max Schmit kaufte nicht nur einen Oldtimer. Für ihn war der Daimler der Startschuss zu einer neuen Karriere.
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Gemeinsam mit seinem Kumpel Steve Vermeer gründete er die Firma Carreprise. Das Ziel der beiden: Oldtimer finden, sanieren – und mit etwas Gewinn verkaufen. Im Herbst 2014 schlugen Schmit und Vermeer das erste Mal zu: «Wir haben im Internet gelesen, dass ein niederländisches Automuseum alte Fords versteigert», erklärt er. Die beiden organisierten Startkapital, fuhren nach Holland – und kamen mit sechs Autos zurück.
25 Jahre lang im Winterschlaf
Nach und nach setzten die beiden Freunde die alten Kisten in Stand. Die sind zwar eigentlich gut gepflegte Museumsstücke –wurden stellenweise jedoch 25 Jahre lang nicht bewegt. Auf dem Autojumble – der Luxemburger Oldtimermesse am 7. und 8. März – will Schmit mit drei Fahrzeugen aufkreuzen. Den Daimler fährt er eigenhändig zu der Veranstaltung in der LuxExpo , ein Ford B-Model aus dem Jahr 1932 und ein Ford Phaeton von 1929 kommen auf dem Hänger.
Mit Auto-Raritäten beschäftigen sich viele Menschen im Großherzogtum. Die Lëtzebuerger Oldtimer Federatioun verzeichnet vom «2 CV Club Lëtzebuerg» über den «Ferrari Club Luxembourg» bis zur «Youngtimer Association» 53 eigenständige Auto-Clubs. In Düdelingen werkeln Romy Calcio und seine Kollegen vom Peugeot Classic Club an alten Peugeots. «Die werden von Grund auf restauriert», sagt er. Derzeit steht ein 404 Coupé in der Werkstatt eines der Clubmitglieder. «Da haben wir schon 400 Stunden reingepumpt», sagt der 52-Jährige. Eines der 75 Vereinsmitglieder hatte den Peugeot im Glauben gekauft, dass der Wagen in einem guten Zustand sei. Doch er täuschte sich. «Da war kein Originalboden drin, alles verzog sich immer wieder», sagt Calcio mit Mitleid in der Stimme. Jetzt werkeln er und ein paar Vereinskollegen zum Unkostenpreis an dem Wagen - und auch der Besitzer hilft mit. «Die Bodengruppe haben wir von Hand nachgebaut», sagt Calcio stolz.
Auch in Max Schmits Stimme klingt Stolz, wenn er davon berichtet, wie er das Automatikgetriebe seines Daimlers saniert hat. Es ist noch nicht lange her, da studierte der Luxemburger Jura in Straßburg. Bis zum Bachelor schaffte er es. Aber seine Leidenschaft weckte die Rechtswissenschaft nicht. «Ich dachte mir: Mach etwas, das Dir Spaß macht», erinnert er sich. «Und mit den Autos habe ich mehr Spaß als mit Jura.» Zur Schule geht er aber immer noch: An der Eufom-Universität - bildet er sich in Betriebswissenschaft weiter. Und außerdem will er bald deinen Abendkurs belegen – bei einem Automechaniker.
(Tobias Senzig/L'essentiel)








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