dimanche 15 mars 2015

Debatte um Nazi-Zwangskredit: Gysi hält griechische Milliardenforderung für berechtigt


Gregor Gysi hat die Bundesregierung für ihren Umgang mit den Reparationsforderungen aus Athen kritisiert. Der Linken-Fraktionschef sagte der "Leipziger Volkszeitung", es sei "unfair", dass die Bundesregierung über einen von Nazi-Deutschland erhobenen Zwangskredit mit der griechischen Regierung "nicht einmal sprechen will".


Unter Berücksichtigung der Zinsen habe Griechenland "diesbezüglich eine meiner Meinung nach berechtigte Forderung in Höhe von acht bis elf Milliarden Euro", führte Gysi seinen Vorstoß aus. "Wie will man jetzt von Griechenland die Rückzahlung von Darlehen verlangen, wenn man eigene niemals zurückgezahlt hat?", sagte Gysi mit Blick auf die Finanzhilfen zur Euro-Rettung.

Nazi-Deutschland hatte 1942 einen Zwangskredit von 476 Millionen Reichsmark von der griechischen Zentralbank erhoben. Eine Rückzahlung war vertraglich vereinbart worden, doch Griechenland bekam das Geld nicht zurück.


Nach griechischer Rechnung beläuft sich der Zwangskredit auf heute elf Milliarden Euro. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat den Wert der Anleihe inklusive Zinsen 2012 mit 8,25 Milliarden Dollar veranschlagt. Fast 70 Jahre nach Kriegsende lehnt es die Bundesregierung allerdings ab, Entschädigungs- und Reparationszahlungen zu leisten.


Der Göttinger Völkerrechtsprofessor Frank Schorkopf hält die Reparationsforderungen Griechenlands, die über die Kreditrückzahlung hinausgehen, für ungerechtfertigt. Im aktuellen SPIEGEL sagt Schorkopf, die Forderungen seien "nicht nur formaljuristisch abzulehnen, sondern auch wirtschaftlich, politisch und moralisch als erfüllt anzusehen".




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