jeudi 5 mars 2015

Berufstätige Eltern: Wo ist Papa?


Hat eigentlich Justizminister Heiko Maas Kinder? Und CSU-Mann Alexander Dobrindt? Und wie sehr vermisst Sigmar Gabriel seine Tochter Marie, wenn er in Berlin die SPD lenkt und die deutsche Wirtschaft? Wie sehr fehlt der Tochter der Vater?


Sie wissen es nicht? Dafür wissen sie wahrscheinlich, dass Familienministerin Schwesig nach Schwerin pendelt und dort ihr Familienleben pflegt, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieben Kinder hat und dass Kristina Schröder ihre Tochter Lotte als Familienministerin manchmal mit ins Büro genommen hat. Frauen mit Beruf müssen stets erklären, wie und ob sie es denn schaffen mit der Vereinbarkeit.

Wie jetzt Grünen-Chefin Simone Peter. Sie spricht in einem Interview mit der "Bunten" ausführlich darüber, dass sie ihren Sohn und Mann, die in Saarbrücken wohnen, nur an einem Tag in der Woche sieht. Das Interview trägt den Titel "Eine Frau mit zwei L(I)EBEN". "Bunte.de" titelt : "6 Tage Karriere, ein Tag für das Kind".


Darüber ärgert sich Peter jetzt. Auf Twitter schreibt:


Die Grünen-Frau hat recht. Niemand würde auf die Idee kommen, Spitzenpolitiker "Rabenväter" zu nennen. Es ist ein Reflex, den auch wir Journalisten immer wieder bedienen. Wenn zum Beispiel Sigmar Gabriel einmal in der Woche seine Tochter von der Kita abholen will, wird darüber berichtet. Oft schwingt dann sogar Häme mit: Gabriel wurde in der "Welt" als "Teilzeit-Minister" tituliert. Als der Grünen-Mann Cem Özdemir schlappe sechs Wochen Elternzeit nahm, war das eine große Nachricht.

Und so ist es nicht nur in der Politik, sondern auch bei ganz normalen Bürgern. Immer noch werden meist die Mütter danach gefragt, wie es denn den Kindern gehe, wenn die Eltern arbeiten. Die Lösung kann nicht sein, nicht mehr über den Spagat zwischen Beruf und Familie zu sprechen. Aber es muss normal werden, dass auch Männer hier Rede und Antwort stehen. Das ist keine Retourkutsche - sondern ein Dienst an der Gesellschaft.


Kinder leiden oft, wenn sie einen Elternteil fast gar nicht sehen - egal ob Mama oder Papa. Eltern trauern oft um die verlorene Zeit mit ihren Kindern. Auch die Grünen-Vorsitzende sagt: "Die Sehnsucht nach dem Kind wächst während der Woche." Die Söhne von Helmut Kohl und Willy Brandt beschwerten sich bitter über ihre abwesenden Väter.

Seine Kinder nicht zu sehen: So ist es nun mal wenn man Verantwortung im Beruf hat; es geht nicht anders, heißt es oft. Das mag für ganz wenige Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft wahr sein.


Bei allen anderen Jobs sollten wir uns nicht mit faulen Ausreden zufrieden geben - es muss ein gesellschaftlicher Konsens darüber her, dass auch Menschen mit Karriere noch Eltern sein können müssen. Und dass das kein Luxus ist, sondern normal.



Zur Autorin




Jeannette Corbeau



Anna Reimann ist Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Politik.

E-Mail: Anna_Reimann@spiegel.de


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