Mehr Aufklärung über gesunde Ernährung, bessere Angebote für vegetarische Kost: Die Petition 478 des Luxemburgers Camille Muller wollte erreichen, dass sich Staat und Gesellschaft für eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten einsetzen. Luxemburgs Vegetarier hatten sogar äußerst prominente Hilfe: Paul McCartney, Ex-Beatle und überzeugter Vegetarier, hatte Mitte März per Re-Tweet dazu aufgerufen, die Petition zu unterschreiben. Tolle Geste, ein bisschen Werbung in der Presse auch. Doch die Zeit ist verstrichen, ohne dass die notwendigen Unterschriften zusammengekommen sind. Denn für eine öffentliche Debatte in der Chamber hätte es 4500 gebraucht. Gebracht hat die Aktion also nichts. Oder?
Diese Ernährungsweisen sind zurzeit angesagt Die Leibspeisen der Diktatoren Veganer Brunch
Der nächste vegane Brunch findet am Sonntag, 10. Mai, in Steinsel statt. Zu Tisch gebeten wird von 11.30 bis 14.30 Uhr im Kulturzentrum Norbert Melcher, Rue de l'Alzette. Veranstalter ist die Vegan Society Luxembourg.
Auf der Speisekarte stehen unter anderem Spinatquiche, Caesars Salat, Bärlauchcremesuppe, Kichererbsencurry und Käsekuchen. Die Teilnahme kostet 15 Euro, Kinder zahlen zehn Euro (jeweils ein Getränk ist inklusive), Kinder unter zwölf Jahren kommen gratis herein.
Petition 478
Die Petition «Pour le soutien et la promotion publique de la nutrition végétarienne et végétalienne» wurde am 13. Februar gestartet, Mitte März, am Montag nach McCartneys Tweet zählte sie 1749 Unterschriften.
Bei der Schließung der Liste am 1. April waren 2472 Unterschriften zusammengekommen. Nötig für eine öffentliche Debatte in der Chamber sind aber 4500.
Petitionsführer Camille Muller sieht das anders, mit dem Verein Vegan Society Luxembourg (VSL) will er weitermachen. Für den Verein ist das Scheitern der Petition eher eine Bestätigung für die Daseinsberechtigung der vegetarisch-veganen Bewegung in Luxemburg. «Die Leute haben teilweise nicht verstanden, dass es nicht darum geht, alle zu Vegetariern zu machen oder warum fleischlastige Ernährung ein großes Problem ist», erklärt VSL-Sekretär Muller. Der Verein will vegetarische und vegane Ernährung in dem Sinn fördern, dass über negative Folgen von zu viel Fleischkonsum auf Gesundheit und Umwelt informiert wird. Gefördert würden eigene Gesundheit und Nahrungsgerechtigkeit, Tierausbeutung sowie Natur- und Umweltprobleme könnten gemindert werden.
Luxemburger essen zu viel Fleisch
Der Verein verfolgt auch politische Ziele zur Förderung der Nachhaltigkeit. Laut Muller beträgt der Gemüseanbau in Luxemburg gerade einmal zwei Prozent, das landwirtschaftliche Standbein sind Milch- und Fleischproduktion. «Die große Fleischzufuhr in Luxemburg, das Land liegt laut FAO auf Platz eins, ist hier ein großes Problem», erklärt Muller und verweist auf die aktuelle Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Demnach lag im Großherzogtum die tägliche Fleischzufuhr im Zeitraum 2009 bis 2011 bei fast 600 kcal. Vor Argentinen und Finnland, Frankreich folgt mit fast 500 kcal am Tag auf Platz sieben. Die Vegan Society Luxembourg will weiter Unterschriften sammeln und diese dann im Herbst dem Gesundheits-, dem Agrar- und dem Umweltministerien überreichen und Gespräche suchen. Muller visiert 5000 Unterschriften an. Bis dahin informiert der Verein weiter auf Veranstaltungen über gesunde Ernährung und will etwa beim veganen Bruch am 10. Mai in Steinsel zeigen, das vegane Ernährung auch lecker ist.
Dass sich Paul McCartney noch einmal einschaltet oder beim Brunch vorbeischaut, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch hatte der kleine Tweet eine große Wirkung für die VSL. «Der Tweet war wie ein Ritterschlag», sagt Muller. Auch wenn man über den Tweet letztendlich «total überrascht» war, kam das Ganze aber nicht von ungefähr. Im Verein ist man mit der Sekretärin von Meat-free Monday bekannt – jener 2009 von Paul McCartney gegründeten Kampagne innerhalb der Meatless-Monday-Bewegung.
(Sophia Schülke/L'essentiel)








0 commentaires:
Enregistrer un commentaire