mardi 14 avril 2015

Russische Biker "Nachtwölfe": Putins Rudel


Russische Rocker brechen in Moskau Richtung Berlin auf. Am 9. Mai, dem "Tag des Sieges" über Hitlerdeutschland, wollen sie in ihrer schwarzen Kluft und mit schwarzen Fahnen in Deutschlands Hauptstadt Präsenz zeigen. 2013 war der Berlin-Trip der russischen "Nachtwölfe" kaum eine Meldung wert.


In diesem Jahr ist das anders. In Polen formiert sich breiter Widerstand, "Keine Durchfahrt für die Banditen" fordern auf Facebook bereits mehr als 10.000 Polen, und in Deutschland warnen die Medien vor dem Ansturm der "rechten Rocker" aus Russland.

Die veränderte Wahrnehmung hat einen Grund: Die Rolle, die der Motorrad-Club seit der letzten Berlin-Visite 2013 gespielt hat, sowohl in Russland als auch in der Ukraine.


Die "Nachtwölfe" positionieren sich als eine Art Leibgarde von Präsident Wladimir Putin. Sie haben nicht nur die Annexion der Krim gefeiert, Mitglieder des Clubs kämpfen auch auf Seiten der prorussischen "Volksrepubliken" in der Ostukraine gegen Kiews Truppen.


Gegen den Anführer der 5000-Mann-starken "Nachtwölfe", Alexander Saldostanow, sind deshalb Sanktionen verhängt worden. Allerdings nur von Seiten der USA. In die EU und damit auch nach Berlin aber könnte Saldostanow ohne Probleme einreisen.


Saldostanow hat in der Sowjetunion eine Mediziner-Ausbildung absolviert, ganz Russland kennt ihn inzwischen unter seinem Spitznamen: "der Chirurg".


"Stalingrad, eine flammende Ikone"


Er ist eine der Symbolfiguren für die patriotische Stimmung, die Russland seit einigen Jahren erfasst hat. Deren Fundament ist der Stolz auf den Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Die Erinnerung daran gleicht mitunter weniger einem stillen Gedenken als einem martialischen Happening. Zum 70. Jahrestag der Schlacht um Stalingrad etwa organisierten die Nachtwölfe in Wolgograd eine gigantische "Bike-Show".


Vor 200.000 Zuschauern schwebte ein deutsches Kampfflugzeug über die Bühne, aus den Lautsprechern donnerte die Stimme von Sowjetdiktator Josef Stalin Durchhalte-Parolen. Unter Geschützlärm betrat Club-Chef Saldostanow die Bühne und rief: "Stalingrad ist für die Menschheit genauso heilig wie Jerusalem, Mekka und Bethlehem. Stalingrad ist eine flammende, feurige Ikone, versteckt unter einem nichts sagenden Pseudonym. Vor Stalingrad wurde ein mythischer Sieg errungen." Das russische Fernsehen übertrug die Show live.


Saldostanow hat seinen Bike-Club Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre gegründet. Sein Hauptquartier liegt im Westen der russischen Hauptstadt, an einer Schlaufe des Moskwa-Flusses. Der Zaun und die Fassaden der Gebäude bestehen aus schwarzem Stahl und erinnern an eine Kulisse aus dem Endzeitfilm "Mad Max". Saldostanow hat sein Hauptquartier "Sexton" genannt, womöglich in Anlehnung an einen gleichnamigen Rock-Club im Berlin der achtziger Jahre. Er soll dort zwischenzeitlich als Aufpasser gearbeitet haben.


Putin begleitet die Biker bei Ausflügen und empfängt sie im Kreml


Putin schaute im "Sexton" im Jahr 2009 zum ersten Mal vorbei. Das Treffen mit den Bikern passte gut zu dem Macho-Image, dass Putins PR-Strategen dem damaligen Premierminister verpassten.


Putin fand aber schnell gefallen am Auftreten der Biker. Er begleitet sie bei Ausflügen und empfängt sie im Kreml. Putin sucht regelmäßig ihre Nähe. 2010 dann setzte er sich an der Spitze einer Kolonne der Biker, die eine die Krim fuhren. Putin war - so wie die anderen Motorradfahrer auch - ganz in Schwarz gewandet. Das Ziel der Gruppe war die Hafenstadt Sewastopol, und die Tour auf die Halbinsel ein kaum verhohlener Besitzanspruch.

Mitunter wirkt es so, als beneide Putin die Biker, die ohne Rücksicht auf diplomatische Verwicklungen ihren Träumen vom Wiederaufstieg eines imperialen Russland nachhängen. Im Jahr 2011 nannte er die Biker "meine Brüder". Im Jahr darauf ließ er bei einem Staatsbesuch in der Ukraine seinen Gastgeber Wiktor Janukowytsch drei Stunden warten: Putin legte vorher noch einen außerplanmäßigen Stopp bei seinen Motorrad-Freunden ein.


Der "Chirurg" dankt es dem Präsidenten mit bedingungsloser Treue. Saldostanow ist Mitbegründer des russischen "Anti-Maidan". Ende Februar brachte die Bewegung zehntausende Kreml-Anhänger auf Moskaus Straßen. Sie beschimpften die Maidan-Revolutionäre als Behinderte und zertrampelten Porträts der russischer Oppositionspolitiker. Saldostanow will Kritiker von Präsident Putin abschrecken. Die würden "nur durch Angst von ihren Plänen ablassen".




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